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Aus einer Fastnachtsidee entstanden.....(von
Kerstin Krowas, Redaktion VORSICHT !! )
„Jamaika war gestern, Rheinhessen ist heute”
Rein in den Bob, runter vom Weinberg
Millionen von Deutschen haben sich in diesem Winter immer
wieder dieselbe Frage gestellt: Wo bleiben Eis und Schnee? Ist irgendwie
auch verständlich, denn auf grünen Pisten lässt es sich einfach nicht gut
Skifahren. Und die Bobfahrer? Die dürften die kalte Jahreszeit doch auch
sehr vermisst haben? Nicht so das Bobteam Rheinhessen 1 ... die haben
kurzerhand die Kufen ihres Bobs abmontiert, Rollen daruntergeschraubt und
düsen nun durch Sprendlingens Weinberge.
Mittlerweile kriegen sie dabei Geschwindigkeiten von bis
zu 90 Stundenkilometern drauf. „Das war nicht immer so”, erinnert sich Pilot
Jürgen Geil an die Anfänge. „Zu Beginn haben wir höchstens auf 40
Stundenkilometer erreicht – und fahren konnte man das Ganze damals auch
nicht wirklich nennen.” Nicht selten sei der Vierbob nicht vollbesetzt, den Sprendlinger Wißberg – da trainiert das Bobteam Rheinhessen 1 –
heruntergerast.
„Kein Wunder: Keiner von uns wusste wirklich über das
Bobfahren Bescheid, und ausprobiert hatte es vorher auch noch niemand”, sagt
Frank Heilemann, ebenfalls unter den insgesamt sieben
„Besatzungsmitgliedern”.
Wie um alles in der Welt kommt man dann zu diesem für
hiesige Gefilde doch eher ungewöhnlichen Sport? Wie vieles im Leben,
entstand auch das „Projekt Bob Rheinhessen 1” aus einer Weinlaune heraus.
„Für einen Fastnachtsumzug musste ein Motivwagen für unseren Skiclub
„Scharfe Kante” her”, so Heilemann. „Und zuerst wollten wir einen Bob aus
Pappmache´ selbst bauen. Als wir dann aber zufällig im Internet einen
richtigen, professionellen Bob entdeckt haben, war die Idee von der
Do-it-yourself-Variante gestorben.”
Dass es sich dabei um einen echten Olympia-Bob, nämlich
den Viersitzer von Christoph Langen handelte, wussten sie damals allerdings
noch nicht. Einen fünfstelligen Betrag mussten sie zahlen, und irgendwann
dann stand der Bob vor der Tür.
„Das ist jetzt fast exakt ein Jahr her”, so Peter Marxen,
einer der Bremser im Team. „Schnell war klar, ein solches Gefährt ist
zu wertvoll, als dass es irgendwo nach der Fastnacht in einer Garage
verstaubt.” Also wurden die Kufen kurzerhand abgeschraubt, Rollen drunter,
Männer rein und den Weinberg hinunter ... Augen zu und durch.
Heute sind sie weitaus professioneller unterwegs. Sie und
auch ihr Arbeitsgerät. Kleine technische Schwächen, vor allem an den Rädern,
wurden ausgemerzt. Mittlerweile existiert die vierte Version des Gefährts,
und alle sind ein bisschen stolz darauf. „Vor allem, weil wir uns die
Technik und das ganze Know-how zum großen Teil selbst beigebracht haben”,
sagen die sieben Amateursportler. „Während andere noch Polo fahren, sind wir
längst auf Ferrari umgestiegen.”
Und diese Leistung werde von den meisten – größtenteils
auch den anderen Bobfahrern – respektiert. „Schön ist es vor allem auch, den
Rückhalt in der Bevölkerung zu spüren”, sagt Marxen. „Niemand hat uns
anfangs ernst genommen, alle haben uns belächelt. Heute aber stehen oft
Leute an der Strecke, wenn wir trainieren und feuern uns an.”
Leider können sie momentan nicht so viel trainieren, wie
sie vielleicht möchten. Zu oft macht ihnen das Wetter einen Strich durch
die Rechnung. Und doch: Die Ziele der Truppe sind hochgesteckt. Gerade haben
sie ihre erste Fahrt im Eiskanal absolviert, schon steht die Senioren-EM in
Innsbruck/Igls in Österreich an. Zumindest für zwei der sieben Bobfahrer.
Gemeinsam werden Pilot Jürgen Geil und Bremser Peter Marxen im Doppelsitzer
– sozusagen dem „kleinen Bruder” von Rheinhessen 1 – antreten. Ob sie
ernsthaft eine Chance haben, vorne mitzumischen, steht in den Sternen. „Wir
fahren gute Zeiten, aber zwischen uns und der Weltspitze liegen noch immer
Welten. Da dürfen wir uns nichts vormachen”, bleibt Jürgen Geil bescheiden.
Aber: Der Ehrgeiz ist geweckt ... und Glückwünsche vom Olympiasieger und
Weltmeister Christoph Langen gab es auch schon.
Und selbst wenn die Europameisterschaft in die Hose gehen
sollte, werden sich die Männer vom Skiclub „Scharfe Kante” davon nicht
entmutigen lassen. Kein Wunder, steht ihnen dieses Jahr noch Großes bevor:
Am 30. Juni nämlich steigt in Sprendlingen, auf ihrer Hausbahn am Wißberg,
die erste Sommerbob-WM der Geschichte in Rheinland-Pfalz. „Es wird ein
Riesenspektakel. Die Vorbereitungen laufen schon jetzt auf Hochtouren – ein
Rahmenprogramm muss her, Sponsoren müssen gefunden, Teilnehmer geworben
werden”, sagt Frank Heilemann. „Einige Profisportler haben bereits ihr
Kommen zugesagt, jetzt warten wir nur noch darauf, dass sich Stefan Raab bei
uns meldet. Natürlich nur, wenn er sich traut, mal gegen richtige Männer
anzutreten.”
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